Wasserwege in Espressomaschinen: Von simpel bis komplex
Zwischen der Pumpe und dem Kaffeeauslauf liegt ein langer Weg. Je nach Bauart der Espressomaschine unterscheidet sich die Wasserführung und damit auch die Flexibilität beim Brühen und Dampfbeziehen.
Wir unterscheiden drei wesentliche Kesselsysteme:
1. Einkreissystem (Einkreiser)
Geräte, bei denen es nur einen einzigen Wasserkreislauf gibt. Ein Boiler wird mit Wasser befüllt und kann auf zwei verschiedene Zieltemperaturen gebracht werden. Temperatur 1 ist die Kaffee- und Heißwassertemperatur, die meist über einen Thermostaten mit fixer Temperatur gesteuert wird. Bei Umschalten eines Schalters wird das zweite Thermostat aktiv und der Kessel heizt für den Dampfbezug auf etwa 120° bis 130 °C auf. Ein Öffnen des Ventils führt nach dem Hochheizen zuerst kurz zum Austritt von Restwasser und erst danach zu trockenem Dampf.
Unser Fazit:Vorteile: Sehr preisgünstig, meist extrem kompakte Bauweise. Ideal für: Reine Espressotrinker, die Milchschaum und Dampf nur sehr selten benötigen.
2. Zweikreissystem (Zweikreiser)
Dieses System besitzt einen großen Serviceboiler, der permanent für Heißwasser und Dampfbezug bereitsteht. Der Kessel wird über ein Magnetventil befüllt, das durch eine Füllstandslanze gesteuert wird. Das Wasser im Hauptkessel wird sehr heiß erhitzt (gesteuert per Pressostat oder PID-Kontrolle). Ein zweiter, separater Wasserweg (der Wärmetauscher oder Heat Exchanger) führt als geschlossener Zylinder direkt durch diesen heißen Dampfkessel. Das darin stehende Frischwasser wird im Vorbeifließen auf eine ideale Aufbrühtemperatur von etwa 88° bis 92 °C gebracht. Zwei getrennte Wasserwege in einem geschlossenen System ermöglichen gleichzeitiges Beziehen und Schäumen.
Unser Fazit:Vorteile: Die weitverbreitetste Bauweise für unkomplizierten, simultanen Dampf- und Espressobezug. Nachteile: Höherer Stromverbrauch, längere Aufheizdauer. Die Brühtemperatur kann konstruktionsbedingt nur indirekt über den Kesseldruck beeinflusst werden.
3. Dualboilersystem (Dualboiler)
Die absolute Top-Version unter den Espressomaschinen. Zwei komplett unabhängige Boiler werden auf individuelle Temperaturen aufgeheizt. Gesteuert wird dies meist über eine präzise PID-Elektronik, die über Halbleiter-Relais (SSR) die Heizungen gradgenau ansteuert. Dadurch ist es möglich, bei Bedarf nur den Kaffeebereich aufzuheizen, wenn man lediglich Espresso trinken möchte – das macht das System im Alltag deutlich energieeffizienter. Da diese Modelle meist mit nur einer Pumpe auskommen, sieht die interne Wasserverteilung oft kompliziert aus, ist jedoch wie beim Zweikreiser absolut zuverlässig über Elektromagnetventile gelöst.
Unser Fazit:Vorteile: Individuelle, absolut stabile Temperatur für den Kaffee, hochgradig temperaturkonstant und im Singleshof-Betrieb energieeffizient. Nachteile: Meist kostenintensiver in der Anschaffung und in den Gehäusemaßen etwas größer.