Canephora im Wandel: Zeit für ein Umdenken bei Robusta-Kaffee
Die generelle Meinung in Bezug auf Robusta-Kaffees ist eigentlich seit Jahrzehnten in Stein gemeißelt: 99 % des weltweiten Marktangebots gilt als ungenießbar. Ihr Geschmack erinnert oft an verbrannten Gummi, einen muffigen Keller oder schmeckt einfach unsauber und schmutzig. Man ging davon aus, dass Robustas eigentlich nur für industriellen Löskaffee und billigen, gemahlenen Supermarktkaffee zu verwenden sind.
Es ist an der Zeit umzudenken!
Wir müssen den Farmern, die sich dem engagierten Anbau von sogenannten Fine Robustas widmen, endlich die verdiente Aufmerksamkeit zukommen lassen. Bei professionellen Cuppings (Verkostungen) von exzellenten Fine Robustas aus Brasilien, Ecuador, Guatemala, Indonesien, Mexiko und Uganda offenbaren sich plötzlich faszinierende Geschmacksrichtungen wie Banane, Nougat, Vanille und Zimt.
Keine Frage: Der Canephora – wie der Robusta botanisch eigentlich heißt – wurde über Generationen hinweg kaum gepflegt. Auch bei der Ernte und Weiterverarbeitung stand meist das schnelle Geld im Vordergrund. Ebene Anbauflächen und rein maschinelle Erntemethoden haben reife wie unreife Früchte mitsamt Blättern und Ästen rigoros wie bei einem Heckenschnitt abgesäbelt. Selbst bei der Fermentation, die bei Robusta traditionell trocken auf Betonfeldern (Patios) erfolgt, wurden beim regelmäßigen Wenden der Kirschen selten hohe Qualitätskriterien angesetzt.
Doch die Zeiten, in denen Spezialitätenröster einen riesigen Bogen um den Canephora gemacht und die vermeintlichen Schulmeister der Kaffeebranche ihn pauschal verteufelt haben, sind endgültig vorbei. Fine Robustas sind salonfähig geworden. Auch wenn sie pur als sortenreiner Kaffee seltener getrunken werden, so haben sie ihre absolute Berechtigung – ja, fast schon eine geschmackliche Notwendigkeit – beim Blenden von typisch traditionellen Espressomischungen.
Wir Kaffeeröster verstehen uns als Kreative. Wir verarbeiten zwar stets das Naturprodukt Kaffee, wollen aber eine möglichst große Vielfalt an Aromen und Geschmacksnuancen aus dem weltweiten Angebot der Rohkaffees herausarbeiten und je nach saisonaler Verfügbarkeit das gewohnte Geschmacksbild für unsere Kunden stabil halten.
Es verhält sich wie beim feinen Würzen in der gehobenen Küche: Ein Kaffeeröster kommt bei der Kreation typisch italienischer Espressoblends an einem erstklassigen Robusta-Anteil schlichtweg nicht vorbei. Am Ende ist es immer nur eine Frage dessen, wie hochwertig der Canephora angebaut, geerntet, verarbeitet und letztlich geröstet wird. Jeder einzelne Schritt ist exakt wie beim Arabica unheimlich wichtig, um eine harmonische Tasse zu erzeugen.
☕ Unsere aktuellen Fine-Robusta-Spezialitäten ab Lager:
Elfenbeinküste Grade 1 (ungewaschen) – Cremige Textur mit frischen Kiwi-Noten.
India Parchment Cherry AA (ungewaschen) – Voller, kräftiger Körper, pfeffrig-würzig im Abgang.
Kaapi Royal (gewaschen) – Ausgeprägte, zartherbe Fülle mit feinen Kakao-Noten.
Uganda Queen of the Nile (gewaschen) – Angenehm milde Säure, Nuancen von Vollmilchschokolade.
Vietnam Natural Grade 1 Selected (ungewaschen) – Mit klarer, kräftiger Textur und fruchtigen Bananentönen.
Typisch hochwertige Robusta-Kaffeebohne, gut erkennbar an ihrer runden Form und dem charakteristisch geraden „Schlitz“.